Michael, Du hattest 2002 gerade die Nationalparkdienststelle Neuschönau übernommen, als NaturVision dort Premiere feierte – wie sind deine Erinnerungen an die Anfänge?

Wir alle haben viel Potential in dem Festival gesehen. Der Tourismusverein „Neuschönau a.c.t.i.v“ war begeistert, hat tatkräftig beim Aufbau von Seekino und Markt mitgeholfen und auch andere Freiwillige aktiviert. Die Mitarbeiter von der Nationalparkdienststelle hatten die Genehmigung, vom Chef mitzuarbeiten, und waren unter anderem mit Maschinen und Material mit dabei. Man hat sich ausgetauscht und ist sich nahegekommen. Dieses Zusammenspiel hat zu einem großen Teil den guten Beginn von NaturVision im Bayerischen Wald ausgemacht.

2003 hat sich NaturVision dem Sonderthema Wolf gewidmet. Was stand da genau dahinter?

2002 gab es im Nationalpark einen Wolfsausbruch. Die Bevölkerung war sehr beunruhigt und zwei der Tiere, die nicht eingefangen werden konnten, mussten entnommen werden. Die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ – die übrigens 2021 ihr dreißigjähriges Jubiläum feiert – war bei diesem ganzen Geschehen beratend aktiv. So kamen wir auch mit Ralph ins Gespräch und waren uns einig, dass wir das Thema auch am Festival anpacken wollen. 2003 fand dann eine wirklich sehr gute Podiumsdiskussion statt, wo Wolfsschützer und Jäger erstmals an einem Tisch saßen.

Interview mit Michael Großmann

Michael Großmann – heute Head-Ranger – war damals Leiter der Nationalparkdienststelle Neuschönau

Wie würdest du die Rolle von NaturVision 19 Jahre nach dem ersten Festival beschreiben?

Ich glaube das Festival war mit entscheidend dafür, dass die Grundlagen für etwas Neues entstanden sind. Man hat junge Leute erreicht und zum Nachdenken gebracht. Heute ist in der Region eine andere Stimmung als damals. Es wird wesentlich mehr Wert auf Nachhaltigkeitsthemen gelegt. Ein Beispiel dafür ist die auf Augenhöhe geführte und gut verlaufende Diskussion um die Nationalparkerweiterung im letzten Jahr. Vielleicht trifft auf NaturVision das Sprichwort „Die Revolution frisst ihre Kinder“ zu. Das Festival ist zwar in dieser Region ins Hintertreffen geraten. Aber es hat – zusammen mit anderen Veranstaltungen – eine Basis geschaffen, dass nachhaltige Ideen heute greifen können.