Wie hast du NaturVision kennengelernt?

Eigentlich war es ein Zufall. Ralph wollte Anfang der 2000er Jahre eine Euregio-Förderung beantragen und war in meiner Heimatstadt Vimperk auf der Suche nach Ansprechpartnern. Ich wurde als Dolmetscher dazu gebeten – und so kam es, dass ich mit dabei war, als Ralph sein Projekt in Tschechien erstmals vorstellte.

Hast du dich von Anfang an für das Festival interessiert?

Ja schon. Es war zuerst geplant, dass ich bei den Workshops oder anderen Veranstaltungen übersetzen sollte. Natürlich interessiert man sich im Böhmerwald für die Natur. Naturfilme aber nahm ich nicht sehr wahr. Mein tiefes Interesse an Natur hat sich erst spät und auch über das Festival entwickelt. Dass ich 20 Jahre lang dabeibleibe, einmal Filme auswählen werde und in diesen 20 Jahren weit über 500 Filme zu Natur und Tier sehen werde – das hätte ich damals nicht gedacht. Nun bin ich so lange dabei, dass ich jedes Mal zu Ralph sage: „Bedenke: Du bist Inventarnummer 1 – aber ich bin gleich nach dir Inventarnummer 2“. (lacht)

Interview mit Roman Hajník

Roman Hajník – Deutschlehrer am Gymnasium in Vimperk – hat die Veranstaltung vom ersten Tag an begleitet, als Dolmetscher, als Programmmacher und als Übersetzer der Filme.

Was hat dich daran gereizt, die NaturVision Filmtage Vimperk mit zu organisieren?

Es waren zwei Dinge: Wir haben sofort begriffen, dass wir hier Filme zu sehen bekommen, an die wir sonst nicht kommen würden. Und dann mochte ich auch die Herausforderung, die Filme aus der deutschen Sprache zu übersetzen.

Apropos übersetzen… Ist es richtig, dass ihr die Filme selbst übersetzt und eingesprochen habt?

Ja – das war in den ersten Jahren sehr spannend. Unsere Festivals waren zeitlich kurz hintereinander. Und es gab keine Dialoglisten. Ich bin dann mit den VHS-Kassetten zu meiner Schwester gefahren, die einen VHS-Spieler hatte. Dort habe ich die ganze Nacht lang die deutschen Texte aus den Filmen abgeschrieben. Dann 6–7 Stunden Unterricht gehalten und am Nachmittag die deutschen Texte ins Tschechische übersetzt. Aber auf Dauer war das zu anstrengend und wir haben ein paar Jahre lang eine Agentur eingesetzt; seit 2007 übersetze ich wieder selbst, zum Teil habe ich auch meine Deutschschüler miteinbezogen. Die Schüler sprechen dann auch die Filme ein, was nicht gerade einfach ist.

NaturVision war ja das erste große grenzüberschreitende Kulturprojekt, das Euregio in dieser Gegend gefördert hat. Wie schätzt du heute den Erfolg ein?

Eigentlich sehr gut. Die Regisseure haben sich bei uns getroffen, um über die Möglichkeiten von Filmdrehs in Tschechien zu sprechen. Projekte und Kontakte sind entstanden. Es gab auch bei den Workshops einen intensiven Austausch. Und schließlich sind ja auch Namen – wie z.B. Marián Polák und Jan Svatoš zu nennen. Beide sind sehr erfolgreiche Naturfilmer, beide waren bei unseren Workshops dabei. In den letzten Jahren waren sie mit ihren Filmen in Ludwigsburg zu Gast. So schließt sich der Kreis.