Interview mit Tanino Bellanca

Tanino Bellanca ist freier Filmproduzent und Creative Producer. Seit 2000 verantwortet er als Ludwigsburgs Medienbeauftragter die Entwicklung der Stadt als Film- und Medienstandort. Mit viel Enthusiasmus begleitete er den Standortwechsel vom Bayerischen Wald nach Ludwigsburg und bereichert seither das Festival mit seiner mitreißenden Art und kreativen Ideen.

Tanino, wie hast du NaturVision kennengelernt? Und warum hast du dich engagiert, dass das Festival nach Ludwigsburg kommt?

Vor 11 Jahren kam Dr. Kay Hofmann auf mich zu und sagte, kennst du NaturVision im Bayerischen Wald? Die suchen eine neue Heimat. Wir hatten in Ludwigsburg zu dieser Zeit schon den Prozess der nachhaltigen Stadtentwicklung begonnen – dazu sind wir mit der Filmakademie auch Filmstadt – da dachte ich: das passt ja wunderbar.

Wichtig war es uns, in Ludwigsburg auch urbanere Themen wie nachhaltige Ökonomie, Ökodesign, Bauen und Plastikfreiheit aufzugreifen. Die Grundidee war: Wir machen kein Festival allein der Filmkunst wegen; sie spielt weiterhin eine gewichtige Rolle. Es geht auch um eine ökologische, eine ökonomische und auch eine soziale sowie kulturelle Dimension. Wir haben immer einen thematischen Fokus. Wenn man diese gesellschaftlich relevanten Themen mithilfe der Filmkunst unter die Leute bringt, dann ist das ein wunderbares Kommunikationsmittel. Wir haben hier angefangen, mit Unternehmen zu kooperieren, sind in die Region gegangen und an die Schulen.

Wie siehst du heute das Festival in Stadt und Region

Es entwickelt sich hervorragend! Wir sind hier mitten in einer wirtschaftlich starken Region, in der auch nachhaltige Geschäftsmodelle entstehen, die das Soziale und Ökologische mitdenken. Zudem ist der Raum auch landwirtschaftlich geprägt. Für viele NaturVision Themen sind wir hier genau der richtige Standort. Und auch alle Themen, die jetzt gerade durch die Pandemie Relevanz haben – wie etwa Umweltschutz, Raum für Tiere, biologische Diversität, Ernährung – behandeln wir. Hier haben wir – in unserem ganz bescheidenen Maße – mit dazu beigetragen, Diskussionen anzuregen.

Was war oder ist dein persönliches Highlight in Zusammenhang mit dem Festival?

Als ich das erste Mal im Bayerischen Wald war, war das Wildschweinessen für mich etwas Unvergessliches. Ich esse dieses Tier aus der unmittelbaren Umgebung mitten im Bayerischen Wald. Nachhaltiger und gesünder geht’s gar nicht. Und dann die Filmemacher*innen hier zu sehen und zu sprechen. Es war das Gefühl: wir (er)leben hier Natur. Das fand ich sehr sinnbildlich für das Ganze. In Ludwigsburg haben wir uns dann mitten in der Stadt getroffen – so leben wir auch in Ludwigsburg den Ort. Es ist unspektakulär und ohne Blitzlichtgewitter. Man trifft sich, tauscht sich aus. Es entstehen neue Projekte. Das ist wunderbar.