Du hast NaturVision schon im Vorfeld des eigentlichen Festivals kennengelernt. Oder?

Ralph hat damals bei der Naturfilmredaktion des BR angeklopft. Der Redaktionsleiter meinte „Das sollen die Jungen machen“, und hat ihn an mich verwiesen. Und ich fand das toll. Damals gab es in Deutschland ein einziges kleines Naturfilmfestival, die Naturale in Bad Dürkheim, angeschlossen an ein Naturkundemuseum. Was Ralph vorhatte, klang sehr gut. Und durch die Mittel der EU war das Festival von Anfang an sehr groß. Richtig schön.

Wie war es dann für Dich, zum ersten Mal auf dem Festival zu sein?

Für mich war es das erste Mal, auf einem Festival Kontakt zum Publikum zu bekommen. Als Redakteur machst du Sendungen, bekommst gelegentlich mal eine Zuschrift und hast die Einschaltquoten. Aber du kannst nie so einen direkten Kontakt zum Publikum herstellen, wie das im Kinosaal möglich ist. Es war sehr besonders, einen selbst verantworteten Fernsehfilm im Kino auf großer Leinwand zu haben. Mitten im Publikum zu sitzen und mitzukriegen, dass tatsächlich an den spannenden Stellen die Menschen reagieren. Entweder ganz leise sind oder auch ein Lacher kommt.

Hat dieser unmittelbare Kontakt mit dem Publikum deine Arbeit verändert?

Jedes Feedback auf einen Film führt dazu, dass man beim nächsten Film an Dinge denkt, die da funktioniert haben oder eben nicht. Es hat unmittelbare Auswirkungen. Die Redaktion hat in meiner aktiven Zeit auch allen Regisseur*innen, die auf Festivals nominiert waren, die Reisekosten bezahlt, damit sie diesen wichtigen Kontakt zum Publikum haben und auch Kontakt zu anderen Naturfilmer*innen bekommen.

Welche Rolle hatte und hat NaturVision in deinen Augen in der Festivallandschaft?

Es ist auffällig, wie viele Naturfilmfestivals Deutschland inzwischen hat. NaturVision war der Wegbereiter für diese Szene. Auch das Konzept von NaturVision, nicht nur einen Wettbewerb auszurichten, sondern auch ein Begleitprogramm anzubieten und die Filmschaffenden zu Fachdiskussionen einzuladen, haben letztlich alle Festivals in Deutschland in ähnlicher Weise übernommen.

Wie siehst du die Entwicklung des Naturfilms und welche Rolle spielen Festivals dabei?

Es war schon immer ein bisschen so, dass die Zuschauer sich beim Naturfilm zurücklehnen und abschalten wollen – und nicht auf die Probleme der Welt hingewiesen werden wollen. Inzwischen spielt – auch im Zusammenhang mit Festivals wie NaturVision, wo so etwas thematisiert wird – die Ökologie im Naturfilm eine immer größere Rolle. Hier war der BR vielleicht auch ein wenig Vorreiter. Wir haben schon immer kritische Themen eingearbeitet. So habe ich zum Beispiel im Bayerischen Wald am NaturVision-Lagerfeuer vom mysteriösen Luchssterben erfahren. Wir haben einen Film darüber gemacht und konnten einiges anstoßen. Die Wilderei an den Luchsen wurde dann tatsächlich auch strafrechtlich verfolgt.

Welche Anekdote erzählst du gern, wenn du über NaturVision sprichst?

Ich hatte irgendwann die Idee, dass NaturVision einen Workshop mit dem Thema „Wie arbeitet der Naturfilm“ anbieten und alle wichtigen Leute der Szene dazu einladen könnte. Viele kamen dann auch tatsächlich. Unter ihnen auch Walter Köhler (damals verantwortlicher Redakteur von ORF Universum. Heute Chef von Terra Mater. Anm. der Redaktion), der als erstes fragte: „Wer war denn der Idiot, der auf dieses Thema gekommen ist?“ Da musste ich zugeben: Das war ich. Im Workshop hat sich Walter Köhler dann gut geschlagen. Er machte gerade einen Film über Skorpione und meinte: „Warum soll ich tausende Kilometer durch die Wüste fahren, um einen Skorpion zu finden, wenn ich ihn mit ein paar Schaufeln Sand auf dem Küchentisch drehen kann.“

Interview mit Udo Zimmermann

Udo Zimmermann gehört nicht zum Team – aber er gehört zu NaturVision. Als junger BR-Redakteur und später leitender Redakteur der Naturfilmabteilung des BR begegnete er der Festivalidee mit großer Offenheit und Zugewandtheit. Vermittelt durch ihn war der Bayerische Rundfunk viele Jahre lang als Sponsor aktiv. Bis heute begleitet er uns, hat immer ein offenes Ohr, einen guten Rat und bereichert das Festivalgeschehen mit Fachwissen und Humor.